Direkt zum Inhalt

Können Solaranlagen versetzt werden und welche Auswirkungen ergeben sich auf die Vergütungshöhe sowie den Vergütungszeitraum?

Grundsätzlich ist zwischen solchen Solaranlagen zu unterscheiden, deren Vergütung (bzw. deren anzulegender Wert) gesetzlich bestimmt wird (s. dazu unten 1.) und solchen, deren Vergütung durch Ausschreibung (s. dazu unten 2.) bestimmt wird.

1. Solaranlagen mit einem gesetzlich bestimmten Vergütungssatz

Wird ein Solarmodul nach dem 31. Dezember 2008 versetzt, so lässt dies sowohl den Inbetriebnahmezeitpunkt als auch den Vergütungszeitraum unberührt. Nähere Ausführungen zum Versetzen von Solaranlagen, einschließlich den dabei zu berücksichtigenden Mitteilungspflichten, finden Sie in dem Hinweis 2012/21 der Clearingstelle. Bitte beachten Sie auch, dass das Versetzen einer Solaranlage an einen Standort im Marktstammdatenregister zu registrieren ist.

Da die Rechtslage im Grundsatz auch unter dem EEG 2017/EEG 2021 unverändert ist, sind die in diesem Artikel zitierten Arbeitsergebnisse der Clearingstelle auch auf den Geltungsbereich des EEG 2017/EEG 2021 übertragbar. Lesen Sie hierzu und insbesondere zur Abgrenzung zwischen Versetzen und Ersetzen die Rn. 48 ff. des  Hinweises 2018/24 der Clearingstelle.

Ist das Versetzen von Solaranlagen mit einem neuen Netzanschluss verbunden, sind die jeweils zum Zeitpunkt des Neuanschlusses geltenden technischen Anforderungen nach dem EEG einzuhalten.

a. Versetzen ohne Wechsel der Vergütungskategorie

Ist der bisherige Vergütungstatbestand auch nach dem Versetzen weiterhin erfüllt, wenn also z.B. die Module vom Dach eines Wohngebäudes auf ein anderes Wohngebäude versetzt werden, so ändert sich nichts an der Vergütungshöhe bzw. der Höhe des anzulegenden Werts. Anzusetzen ist dann weiterhin der Vergütungssatz, der für den in der jeweiligen Solaranlage erzeugten Strom zu zahlen ist.

Inwiefern eine eventuelle Anlagenzusammenfassung mit am Ort der Neuinstallation bereits installierten Solaranlagen zu berücksichtigen ist, ist im Einzelfall zu prüfen. In ihrem Votum 2017/53 hatte die Clearingstelle die Frage der Anlagenzusammenfassung für den Einzelfall verneint, in diesem Fall behalten beide Solarinstallationen den jeweiligen vorherigen Vergütungssatz. Im Fall der Anlagenzusammenfassung ist der Vergütungssatz entsprechend anzupassen. 

  • Besonderheiten bei der Eigenverbrauchsvergütung:

Wird z.B. ein Modul mit Inbetriebnahme im Jahr 2009 aus einer Installation mit 7 kW versetzt und einer bestehenden Installation mit mehr als 30 kW hinzugebaut, so sind diese im Einzelfall zusammenzufassen. In diesem Fall ist die Vergütung für den darin erzeugten Strom nicht mehr nach § 33 Abs.Nr. 1, sondern nach § 33 Abs. 1 Nr. 2 EEG 2009 zu zahlen. Unberührt bleibt hingegen bei Solarmodulen, auf die § 33 EEG 2009 bzw. EEG 2012 in der bis zum 31. März 2012 geltenden Fassung anzuwenden ist, die Möglichkeit, auch nach dem 1. April 2012 auf den vergüteten Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung umzustellen. Werden Module mit einem Inbetriebnahmedatum ab dem 1. April 2012 auf den Eigenverbrauch umgestellt, besteht hingegen kein Vergütungsanspruch für den selbst verbrauchten Strom. Zu berücksichtigen ist in allen Fällen die Regelung zur EEG-Umlage bei der Eigenversorgung.

b. Versetzen mit Wechsel der Vergütungskategorie

Soll nach dem Versetzen ein anderer Vergütungstatbestand geltend gemacht werden, z.B. weil eine ehemalige Dachanlage auf eine Freifläche versetzt wird, so setzt dies voraus, dass die im Zeitpunkt des Versetzens geltende Fassung des EEG einen entsprechenden Vergütungstatbestand noch vorsieht. Der Vergütungssatz richtet sich in einem solchen Fall weiterhin nach der im Zeitpunkt der Inbetriebnahme geltenden Fassung des EEG. Die Degressionsvorschriften sind nicht (erneut) anzuwenden.

2. Solaranlagen in der Ausschreibung

Freiflächenanlagen und Solaranlagen, die auf, an oder in baulichen Anlagen errichtet werden sollen, die weder Gebäude noch Lärmschutzwände sind (sog. Solaranlagen des ersten Segments, § 3 Nr. 4a EEG 2021) müssen zumindest „teilweise mit dem in dem Gebot angegebenen Flurstück“ übereinstimmen. Ist dies nicht der Fall, so verringert sich der in dem Ausschreibungsverfahren ermittelte anzulegende Wert um 0,3 Cent pro kWh gemäß § 54 Abs. 2 Satz 1 EEG 2017 (i.V.m § 100 Abs. 1 Nr. 2 EEG 2021), § 54 Abs. 2 Satz 1 EEG 2021.

Gleiches gilt auch für Solaranlagen auf, an oder in Gebäuden (sog. Solaranlagen des zweiten Segments, § 3 Nr. 4b EEG 2021), wenn diese bis einschließlich zum 1. Juni 2021 an einer Ausschreibung teilgenommen haben gemäß § 54a Abs. 2 EEG 2017, § 54a EEG 2021 a.F.* i.V.m. § 100 Abs. 10 EEG 2021 n.F.**. Solaranlagen auf, an oder in Gebäuden, die nach diesem Stichtag an einer Ausschreibung teilnehmen, sind auf dem im Gebot angegeben Standort zu errichten, da der Zuschlag diesem Standort dauerhaft zugeordnet ist (§ 38f  EEG 2021 n.F.**).

*a.F. meint die vom 1.1.2021 bis 26.7.2021 geltende Fassung des EEG.
** n.F. meint die seit dem 27.7.2021 geltende Fassung des EEG.
erstellt am
Textfassung vom
zuletzt geprüft am